Mein Mann ist Mister Computer. Er arbeitet nicht nur in der IT-Branche, er ist auch in seiner Freizeit permanent mit der Technik zugange. An der hat er nämlich so richtig Spaß. Stundenlang kann er mir erklären, wie genial das neueste Multimediasystem in unserem Hause funktionieren könnte, wenn er diese und jene Anschaffung tätigen würde. Stunden tüftelte er neulich an den Einstellungen seines iPhones herum, um es als Fernbedienung für das MP3-Player-Programm auf unserem Multimediacomputer zu nutzen.
Zu meinem (!) Problem wird seine Begeisterung, wenn die zur Folge hat, dass ich kein Gerät mehr in meinem eigenen Hause bedienen kann. Und selbst seitenweise Bedienungsanleitungen zu lesen mir nichts bringen würde. Unsere Technik im Hause ist nämlich immer ein ausgeklügeltes System des Zusammenspiels diverser technischer Komponenten, über dessen Funktionsweise sich mein Mann tage- wenn nicht wochenlang in jenen Fachforen im Internet informiert hat, in denen nur c’t-Leser ein Wort verstehen.
Babysitter können bei uns kein Fernsehen gucken. Nicht, weil wir keinen hätten, sondern weil die Babysitter locker zwei Stunden früher bei uns eintreffen müssten, wollte mein Mann ihnen die Bedienung erklären. Ich habe Wochen gebraucht, bis ich wusste, in welcher Reihenfolge und wie Computer, Flachbildschirm und diverse Programme zu starten und mit welcher Fernbedienung oder Mouse zu bedienen sind, bis man den Film seiner Wahl tatsächlich auf dem Bildschirm hat. Wenn wir pünktlich ab 20.15 Uhr den
Tatort gucken wollen, müssen wir gegen 20 Uhr anfangen, das System hochzufahren .
Selbstredend machen sich die Bugs im System immer – und zwar immer (!) – dann bemerkbar machen, wenn mein Mann auf Geschäftsreise ist und ein Support per Ferndiagnose am Telefon erfolgen muss. Das hört sich dann etwa so an: “Micha, der Fernseher geht nicht.” Erst Schweigen. Dann: “Läuft der Rechner denn?” Das Surren der Festplatte und das verstörte Blinken irgendeines Lichtchens bestätigt mir dies. “Ja,” sage ich knapp und schlucke meinen Ärger darüber herunter, dass mein Mann mir nicht
zutraut, einen laufenden Rechner von einem ausgeschalteten zu unterscheiden. Schweigen. Dann: “Ist der Bildschirm angeschlossen?” Ich verwundert: “Wieso, war der denn ab?” Er: “Ja, ich hatte gestern mein iMac an den PC angeschlossen und musste ..” An dieser Stelle steige ich gedanklich meistens aus und mache mich mental schon mal darauf gefasst, dass ich gleich Kabel umstecken muss. Etwa eine Viertel Stunde später habe ich dann alle
Stecker in die Anschlüsse gesteckt, deren Lage mir mein Mann auch am Telefon genau beschreiben kann. Doch der Bildschirm bleibt dunkel. “Es geht trotzdem nicht”, sage ich in einem Tonfall, der sich nicht so recht zwischen Verzweiflung, Beleidigtsein und Triumph entscheiden kann. “Du musst jetzt noch mal neu starten,” erinnert mich mein Mann geduldig. Ach ja, der Bildschirm zeigt das Bild ja nur, wenn er vor dem Multimedia-PC angeschaltet wurde … Nach dem Neustart kann ich tatsächlich wieder Fernsehen gucken. Allein, der Tatort läuft seit einer Stunde.
Eins steht fest: Sollte mein Mann mir demnächst erklären, das ich mit einer
genialen Lösung, über die er sich grade im Web informiert hat, Spülmaschine (Erdgeschoss) und Waschmaschine (Keller) gleichzeitig und pünktlich um 13.20 Uhr (dann nämlich wird unser Strom für zwei Stunden zum halben Tarif abgerechnet) einschalten könnte, ohne meinen Arbeitsplatz (Obergeschoss) am Computer verlassen zu müssen, werde ich auf stur schalten. Für Handwäsche und -spülen hab ich nämlich wirklich keine Zeit.